Über die Initiative BrSM - Von der Systembiologie zur Bioregulatorischen Systemmedizin

Von der Systembiologie zur Bioregulatorischen Systemmedizin

Seit Anfang der 2000er Jahre werden Wissenschaftler auf der ganzen Welt von den revolutionären Erkenntnissen des Humangenomprojekts inspiriert, das zur Identifizierung von mehr als 90 % der menschlichen Gene geführt hat. Obwohl der größte Teil des menschlichen Erbguts identifiziert wurde, ist es nach wie vor unmöglich, die Funktion und das Verhalten des menschlichen Organismus in seiner Gesamtheit angemessen zu erforschen und die Ursache zahlreicher Krankheiten zu ermitteln. Technologische Fortschritte, die die Analyse großer Datensätze von molekularen und zellulären Netzwerken ermöglichen, sowie Entdeckungen auf dem Gebiet der Systembiologie waren Auslöser für neue Denkansätze in der Medizin. Diese Forschungsarbeiten eröffnen neue Perspektiven für die Gesundheit der Menschen, Krankheiten und die Behandlung von Patienten.  Zu diesen Perspektiven gehört auch die Systemtheorie als Teil der bioregulatorischen Medizin, der zufolge das Netzwerk biologischer Wechselwirkungen innerhalb eines Patienten eine Schlüsselrolle für die menschliche Gesundheit spielt.

Kürzlich ins Leben gerufene Initiativen sollen dieses vernetzte Denken in praktisch relevante Konzepte für die medizinische Versorgung umsetzen. Diese Konzepte werden unter dem Begriff Systemmedizin zusammengefasst. Hier einige Beispiele:

  • Das Systems Biology Institute in Seattle, Washington (USA), hat gemeinsam mit der Ohio State University das P4 Medicine Institute (P4Mi) ins Leben gerufen, um den Wandel der Medizin von einem reaktiven zu einem prädiktiven, präventiven, personalisierten und partizipativen System zu fördern.
  • In Europa hat sich ein multidisziplinäres Konsortium aus Universitäten, Instituten für Systembiologie und Pharmaunternehmen unter der Schirmherrschaft der Europäischen Kommission zusammengeschlossen, um eine Strategie zur Umsetzung der Systemmedizin zu entwickeln. Mit dem Aktionsplan CASyM (Coordinating Action Systems Medicine) sollen Bereiche ermittelt werden, in denen ein systemorientierter Ansatz klinische Fragen wirksam beantworten und Lösungen für klinische Probleme aufzeigen kann.

Diese Initiativen gehen von einer integrativen Sichtweise der Medizin aus, die den dynamischen und interaktiven Charakter verschachtelter physiologischer Netzwerke berücksichtigt, um die Pathologie in ihrer Gesamtheit zu verstehen.

Vor dem Modell der Bioregulatorischen Systemmedizin gab es nur eine Art  Konzept der Bioregulatorischen Systemmedizin – einen vagen Korpus bestehend aus wissenschaftlichen, klinischen und empirischen Erkenntnissen, die die allgemeinen Ideen der Systemmedizin und die Beziehungen zwischen autoregulatorischer Netzwerken, die Rolle von Entzündungen bei vielen Krankheiten und die dynamische Natur der Patientengesundheit unterstützten.