BrSM Modell - Gesundheits-Krankheits-Kontinuum des Patienten
Nach der BrSM ist die Krankheitsprogression das Ergebnis eines autoregulatorischen Prozesses, der durch einen überwältigenden Stressor gestört oder behindert wird und nicht ausreichend funktionieren kann, um die Homöostase wiederherzustellen. Die Krankheitsprogression wird durch gestörte oder unzureichende autoregulatorische Fähigkeiten begünstigt und durch genetische und epigenetische Faktoren beeinflusst.
Durch Simulation der Entwicklung von Gesundheits- zu Krankheitsprozessen lassen sich nicht nur die Reaktionen einzelner Entzündungsmediatoren prognostizieren, sondern die Reaktion eines gesamten Entzündungs-/Wundheilungs-Netzwerkes vorhersagen. Angesichts der Bedeutung des Entzündungsprozesses für den Ansatz der BrSM kann die Möglichkeit, den Zustand des Entzündungsnetzwerks zu ermitteln und zu überwachen, nützliche diagnostische Ansatzpunkte für die Bewertung des autoregulatorischen Netzwerks eines Patienten bieten. Technologische Diagnoseplattformen wie Lipidomik, Metabolomik, Genomik und Proteomik sind unerlässlich, wenn es darum geht, relevante biologische Informationen mit der Genauigkeit zu erfassen, die für die bessere Erkennung und Diagnose von Krankheiten erforderlich ist.
Das Stadium der Krankheitsprogression eines Patienten wird anhand von dessen Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung und der Laborparameter (einschließlich molekulardiagnostischer Verfahren) in ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum eingeordnet. Ein Patient kann nach den Phasen seiner Krankheitsprogression diagnostiziert, an mehreren Therapiepunkten behandelt und daraufhin überwacht werden, wie sich die Netzwerke pathophysiologischer Prozesse zu einem gesunden Zustand zurückbilden. Die Möglichkeit, Krankheitsstadien anhand der Genexpression aufzulösen, wird Ärzten ein umfassenderes und genaueres Bild von chronischen Krankheiten vermitteln, die durch mehrere Faktoren bedingt sind. Angesichts der derzeitigen Herausforderungen im Gesundheitswesen und in der Medizin ist das Single-Wirkstoff- und Single-Target-Paradigma nicht so präzise und ausgefeilt wie ein Multi-Target- und Multi-Komponenten-Modell. Es bedarf neuer Arzneimittel und Behandlungsprotokolle, um gestörte autoregulatorische Netzwerke gezielt und bioregulativ zu beheben.

Als Krankheitsprogression wird üblicherweise die Verschlechterung einer Krankheit im Laufe der Zeit verstanden. 1980 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Internationale Klassifikation der Schädigungen, Fähigkeitsstörungen und Beeinträchtigungen (International Classification of Impairment, Disability and Handicaps, ICIDH). Damit sollte eine weithin anerkannte Struktur der Folgen von Krankheiten und ihrer Auswirkungen auf das Leben von Patienten geschaffen werden. Aufbauend auf diesem Modell wird in dieser Abbildung eine Konzeptualisierung des autoregulatorischen Status von Patienten vorgestellt.
A. Das Konzept der Krankheitsprogression, adaptiert aus dem ICIDH-Modell der WHO von 1980. Die Farben zwischen Blau und Schwarz zeigen die Stadien an, in denen eine bestimmte Krankheit fortschreitet, und stellen die wichtigsten Meilensteine zwischen den einzelnen Stadien dar. Die gestrichelte Linie zeigt an, dass es keine feste Abfolge zwischen den Stadien oder Meilensteinen gibt. Der Einfachheit halber wurde eine lineare Struktur verwendet.
B. Eine schematische Darstellung der Krankheitsprogression als Karte mit vier Quadranten (unter Verwendung des BrSM-Modells als Rahmen wird die Krankheitsprogression als das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum des Patienten betrachtet). Die Linien mit Pfeilen und die gestrichelten Linien stellen die hypothetische Krankheitsprogression der Patienten X und Y dar. Im Gegensatz zu einem vereinfachten, linearen Ansatz zur Bestimmung von Krankheitsstadien bei der klinischen Entscheidungsfindung werden in dieser Karte die Stadien im Verhältnis zu den durch die horizontalen und vertikalen Achsen dargestellten Parametern der Störung angeordnet. Die vom BrSM-Modell vorgeschlagene Behandlungsstrategie sieht vor, dass sich die therapeutischen Bemühungen darauf konzentrieren, den autoregulatorischen Status eines Patienten (dargestellt durch die grünen gestrichelten Pfeile) in einen Zustand mit besserer autoregulatorischer Fähigkeit zu „bewegen“. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem White Paper.